Google OS

Veröffentlicht am 13.Juli 2009

Author » Stefan Wündrich

Tags » Google OS - Cloud Computing - Betriebssystem

Monitor

Microsoft, wer? Das soll man wohl schon nächstes Jahr sagen, wenn es nach den Vorstellungen des Firmen- und Datenfressenden Web-Monster "Google" geht. Selbiges eröffnete der Netzgemeinde vor kurzer Zeit, das Vorhaben ein eigenes Betriebssystem bis Mitte 2010 zu entwickeln.

Wobei die Bezeichnung Betriebssystem etwas irreführend ist ,wenn man die anderen Produkte rund um Microsoft, Apple & Co. betrachtet. Chrome OS, so die Bezeichnung, baut im Wesentlichen auf dem Gerüst des jetzigen gleichnamigen, eher mäßig genutzten Browsers, auf.

Und da kommen wir zur eigentlichen Neuerung an Google's Vorhaben. Nicht etwa ein klassisches Betriebssystem, was man auch nicht wirklich bräuchte, weil es Grund genug gibt nicht noch ein System neben MS, Mac und Linux auf dem Markt etablieren zu wollen.

Nein, die wirkliche Innovation besteht aus der nahezu kompletten Auslagerung aller nicht zur Inbetriebnahme des Computer benötigten Programme. Kurz, man verabschiedet sich vom klassischen Denken, jedes Softwareprodukt muss auf der eigenen Computerumgebung installiert sein. Das ganze ist relativ neu in der Praxis und nennt sich "Cloud Computing". Die Software läuft -bildhaft gesprochen- in einer nicht direkt greifbaren wolkenhaften Umgebung im Internet.
Ich möchte im Folgenden weniger auf die Technik von Chrome OS eingehen, sondern vielmehr des Sinn eines solchen Systems beantworten und versuchen zu ergründen warum "Google" diesen Schritt geht.

Welchen Sinn macht Cloud Computing?

Der Vorteil liegt auf der Hand. Der Nutzer spart sich die Installation und den Kauf von Software.
Klassische Programme wie Office u. ä. können komplett in das Internet ausgelagert werden (Bsp. Google Docs). Abgesehen von der Einsparung von Rechnerleistung hat es natürlich einen Kostenvorteil. Ein ganzes Softwarepaket (bsp. Office) muss nicht mehr im Gesamten erworben werden, sondern ein nutzungsabhängiges Entgelt wird fällig, also pro Ausdruck eines Dokumentes usw.
Der Zugriff auf Software, Dokumente und Kontakte kann praktisch von überall da passieren wo ein Anschluss zum Internet vorhanden ist.

Ist Cloud Computing sicher?

Wollen wir es mal so beschreiben. Ich bin ziemlich optimistisch, das Google das System für Angriffe von Außen im Rahmen des Möglichen sicher gestalten wird. Aber eine Gegenfrage. Ist es auch für Angriffe von Google selbst gewappnet. Dies bleibt abzuwarten, denn Google verdient nicht zuletzt mit der Verarbeitung mit gewonnen Nutzernutzungsdaten!

Welche Strategien verfolgt Google? (meine persönliche Einschätzung)

Eigentlich kommt der Schritt der eigenen Entwicklung eines Systems nicht von irgendwo. In Zeiten der Wirtschaftkrise, die auch an Google nicht spurlos vorbeigeht, merkt diese überdimensionierte Werbeagentur, dass nutzungsabhängige Werbung nicht unendlich fließt und immer funktioniert.

Das Problem daran. Google verdient fast ausschließlich an der geschalteten Werbung auf seinen Seiten. Soweit bekannt. Allerdings generiert Google fast keine Einnahmen aus Lizenzierung von Software (Maps, YouTube o.ä.).

Um sich also in Zukunft unabhängiger von Werbung zu machen, braucht Google weitere Produkte oder Plattformen die dafür geeignet sein werden, Einnahmen zu generieren.

Ein mögliches Szenario könnte eines analog Apples "App-Store" sein. Die Plattform ist für Entwickler offen und Programme können frei entwickelt werden um sie zum Download einer breiten Masse von Usern zur Verfügung zu stellen. Apple verdient an dieser Vertriebsmethode daran einen nicht unerheblichen Teil. Mal ganz abgesehen davon das dieser Vertrieb voll und ganz dem Verständnis des Web 2.0 und eigtl. schon 3.0 entspricht.
Also kurzum. Google liefert wahrscheinlich kostenlos das Gerüst und freie Dritte ziehen die Mauern hoch.

Da das System auf Chrome Browser basiert, dies aber eher schleppend läuft, braucht Google einen weiteren Träger. Das ist die Hardware. Netbooks und später PC sollen damit bestückt werden. Bleibt abzuwarten - ich bin skeptisch - ob sich das Netbook auf einem Massenmarkt behauptet. Meiner Meinung ist das eine Sackgasse.



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